Opening Keynote
Miriah Meyer ist Professorin am Fachbereich Wissenschaft und Technologie der Universität Linköping und wird durch das WASP-Programm gefördert. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung von Visualisierungstools, die eine explorative und reflektierende Datenanalyse unterstützen und neue Ideen für die Nutzung von Daten in unserem Leben liefern. Diese Tools ermöglichen es Menschen, mehr über ihre Daten zu erfahren, ihre Perspektiven neu zu definieren und ihr Denken zu revolutionieren. Sie erwarb ihren Bachelor-Abschluss in Astronomie und Astrophysik an der Penn State University, promovierte in Informatik an der University of Utah und absolvierte ein Postdoktorandenstipendium an der Harvard University. Bevor sie zur Fakultät der LiU kam, war sie assoziierte Professorin an der School of Computing der University of Utah und Mitglied des Vis Design Lab am Scientific Computing & Imaging Institute.
Data As _______: Exploring the Plurality of Data in Visualization
Was sind Daten? Sind es nur Zahlen, Zeichen oder Symbole, oder gehört auch ihre Bedeutung dazu? Wer oder was erzeugt Daten, und wie entstehen sie? Was gilt als Daten und was nicht?
Auf diese Fragen gibt es keine richtigen oder falschen Antworten. Doch sie zu stellen, schafft eine Grundlage dafür, die Rolle von Visualisierungen – und von Daten – in Forschung und Wissenschaft neu zu überdenken. In diesem Vortrag werde ich vier unterschiedliche Perspektiven auf Daten vorstellen, die die Bandbreite der Ansätze widerspiegeln, mit denen Visualisierungsforscher*innen arbeiten. Diese Perspektiven klar voneinander abzugrenzen, eröffnet neue Möglichkeiten dafür, wie wir Daten und Visualisierungen erstellen und nutzen, und wie wir zugleich unsere gängigen Vorstellungen datengetriebener Arbeit hinterfragen können.
24.02.2026 um 18:00 Uhr
Closing Keynote
Katharina Kinder-Kurlanda ist seit 2021 Professorin für Humanwissenschaft des Digitalen an der Universität Klagenfurt in Österreich. Zuvor war sie von 2016 bis 2021 Teamleiterin für „Data Linking & Data Security“ am GESIS – Leibniz‑Institut für Sozialwissenschaften in Köln. Ihre akademische Ausbildung umfasst ein Studium der Kulturanthropologie, Informatik und Geschichte an der Eberhard Karls‑Universität Tübingen und der Johann Wolfgang Goethe‑Universität Frankfurt am Main sowie eine Promotion an der Lancaster University zum Thema „Ubiquitous Computing in Industrial Workplaces“. Sie arbeitet interdisziplinär in den Digital Humanities, den Science and Technology Studies, der Techniksoziologie und der Internetforschung und ihre Forschungsinteressen sind neue Epistemologien für Big Data, Algorithmen im Alltag, Datenpraktiken, Social Casual Games und (faire) Künstliche Intelligenz.
Digital Humanities Unpacked: The Politics and Practices of Data Work
Gegenwärtig richten die Digital Humanities ihr Augenmerk zunehmend auf die nachhaltige Bewahrung der Methoden, Algorithmen und Datentransformationen, durch die neue Erkenntnisse überhaupt erst möglich werden. Die Erzeugung von Daten bleibt ein zentrales Anliegen, ist jedoch auch Ausgangspunkt und Grundlage zeitgenössischer Forschungsprojekte. Dieser Umstand bietet die Chance, die Einbettung der Daten in umfassendere wissenschaftliche, technische und kulturelle Kontexte zu reflektieren: Wie sind die Daten entstanden, wer hat bei ihrer Gestaltung mitgewirkt, und welche Machtverhältnisse spiegeln sich in ihrer Produktion, Zirkulation und Nutzung wider? Wie bewahren wir diese Kontexte der Datenerstellung, und wie berücksichtigen wir sie in der Analyse? Aufbauend auf ethnografische Forschungen zur Arbeit mit Daten behandelt die Keynote Fragen zu Data Work und Data Politics. Digitale Methoden werden als epistemische aber auch soziale und politische Praktiken verstanden. Anhand empirischer Beispiele – von der Arbeit mit digitalen Daten in der Forschung bis zu algorithmischen Entscheidungsprozessen – wird gezeigt, wie Datenarbeit immer auch eine Form der Aushandlung von Wissen, Autorität und Verantwortung darstellt. Dabei wird deutlich, dass digitale Daten nie neutral sind, sondern in komplexe Machtgefüge eingebettet und von spezifischen Akteur:innen, Infrastrukturen und Normen geprägt werden. Die Keynote lädt dazu ein, die Digital Humanities als kritische Disziplin zu begreifen, die digitale Methoden nicht nur anwendet, sondern auch deren gesellschaftliche Implikationen reflektiert. Wie können wir als Forscher:innen der Digital Humanities die Politik der Daten sichtbar machen? Der Vortrag verbindet Theorie, Methode und Praxis und regt zum Dialog über die Zukunft digitaler Wissensproduktion an.